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Online-Bibliothek der “Humanitären Geste”: Blockadegeschichte im Museum “Das bürgerliche Petersburg”

Online-Bibliothek der “Humanitären Geste”: Blockadegeschichte im Museum “Das bürgerliche Petersburg”

Aufmerksame Leser/-innen unseres Blogs wissen, dass wir in regelmäßigen Abständen neue Materialien in unserer Online-Bibliothek veröffentlichen. Hierbei handelt es sich um Bücher und Artikel zur Geschichte der Leningrader Blockade, Erinnerungen von Überlebenden, Kurzfilme und vieles mehr. Häufig sind das Materialien, die wir von Petersburger Museen zur Verfügung gestellt bekommen, um sie im Rahmen des Projekts “Humanitäre Geste” ins Deutsche zu übersetzen.

Eines dieser Museen ist das Gedenkmuseum “Das bürgerliche Petersburg”. Dieses kleine, dafür aber umso interessantere Museum erzählt von der Geschichte des “nicht pompösen” Sankt Petersburg: vom Leben der einfachen Menschen in der ehemaligen Hauptstadt des Russischen Reiches. Das Museum entstand im Jahr 1938 in der Iljitsch-Gasse Nr. 7. Zunächst war es ein Museum zu Ehren von Wladimir I. Lenin, denn das spätere Haupt des sowjetischen Staates hatte an dieser Adresse von 1894 bis 1895 ein Zimmer gemietet. Das neue Museum entstand auf Basis der Leninschen Wohnung im Jahr 1992. Es berichtet nicht nur von W.I. Lenin, sondern auch über die Geschichte dieses alten Bezirks von Petersburg.

In der Ausstellung des Museums nimmt die Geschichte der Blockade heute einen bedeutenden Teil ein. Das Projektteam der “Humanitären Geste” hat insgesamt vier Materialien übersetzt, die einen Überblick über die blockadezeitlichen Exponate des Museums bieten:

1. Kurzbeschreibung des Blockadezimmers der Familie Agte

Das Blockadezimmer ist schon seit 15 Jahren ein fester Teil des Museums. Seine Einzigartigkeit, dass es nicht aus Gegenständen unterschiedlicher Herkunft zusammengestellt ist, sondern den Blockadealltag einer einzigen Leningrader Familie zeigt: der Familie von Alexander Nikolajewitsch Agte, Professor am Technologischen Institut.

2. Die Ausstellung “Leningrader Erzählungen”

Die Ausstellung “Leningrader Erzählungen” präsentiert die Zeugnisse des Künstlers A.F. Pachomow und des Schriftsteller N.S. Tichonow, welche die Kriegsjahre selbst miterlebten. Während sie innerhalb des Blockaderings eingeschlossen waren, versuchten beide auf ihre Art, das Leben in der belagerten Stadt darzustellen. Nach dem Krieg arbeiteten sie gemeinsam an der Herausgabe eines Albums für Kinder, das den Titel “In jenen Tagen” trug. Die Entstehungsgeschichte dieses Buches ist ungewöhnlich. Zumeist erstellt ein Künstler Illustrationen zu einem belletristischen Text. Hier war jedoch die Arbeit des Künstlers der Ausgangspunkt. N.S. Tichonow schrieb die Texte zu den blockadezeitlichen Lithografien A.F. Pachomows, sodass hinter jedem Bild eine Geschichte entstand. Es ergab sich, dass die Texte in der Folgezeit zusammen mit anderen blockadezeitlichen Prosatexten und Gedichten Tichonows herausgegeben wurden, wodurch sie von den Lithografien Pachomows getrennt wurden. In dieser Ausstellung werden sie nun aufs Neue vereint.

3. Korrespondenz aus der Zeit des Großen Vaterländischen Krieges (1941-1945). Kollektion des Gedenkmuseums „Das bürgerliche Petersburg“

In den Beständen des Museums “Das bürgerliche Petersburg” werden nicht wenige Briefe und Postkarten aus den Jahren 1941 bis 1945 aufbewahrt. Darunter sind Postkarten, die im belagerten Leningrad herausgebracht wurden, selbstgemachte Postkarten und Briefe. Hinter jedem Exponat steht eine eigene Geschichte, ob freudig oder tragisch. Ganz besonders schätzt das Museum die Briefe von Wassili Afanasjewitsch Pedani, die er von Leningrad aus an seine Tochter und seinen Enkel schickte, die nach Kasan evakuiert worden waren.

Das Projektteam der “Humanitären Geste” wünscht euch eine spannende Lektüre!