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Ein Theater für alle

Ein Theater für alle

Bereits während der Planungsphase der zukünftigen Akademie für Inspiration und Kreativität wurde die Möglichkeit diskutiert, ein Theaterstudio für Blockadeüberlebende zu gründen. Einerseits ist bei Menschen im Alter von 80+ eine besondere Zugangsweise nötig: Schließlich sind das keine Kinder oder Jugendlichen und der Leiter des Theaterklubs sollte zumindest „dieselbe Sprache sprechen“ wie die Teilnehmenden. Andererseits ist diese Generation von Menschen, die ohne Fernseher und Internet aufgewachsen ist, viel eher bereit, Gedichte zu lesen, zu singen und zu tanzen.

Die Leitung des Theaterklubs übernahm Alexander Bacharewski, Theater- und Filmschauspieler sowie Lehrer für Schauspielkunst und Bühnensprache. Bacharewski absolvierte das Staatliche Leningrader Institut für Theater, Musik und Filmkunst (als Schüler von Sinowij Korogodskij). Seine künstlerische Biografie umfasst Stücke im Leningrader Theater des jungen Zuschauers, Tätigkeiten bei „Lenkonzert“, Conférence und auch die Durchführung von Festveranstaltungen, wobei er die ersten Erfahrungen in diesem Bereich schon im Alter von fünf Jahren sammelte.

Eine lange Freundschaft verbindet Bacharewski mit der Stiftung „Die gute Stadt Petersburg“, die viele Projekte für höhere Altersgruppen organisiert (z.B. das Festival „Glückliche und aktive Langlebigkeit“, das Podium für reife Schönheit u.a.).

Der „Theaterklub für Menschen im eleganten Alter“ nahm seine Tätigkeit im September 2021 auf. Bei den ersten Treffen berichteten die Teilnehmenden einander von ihren Hobbys und Neigungen und tauschten sich darüber aus, wie sie sich die zukünftigen Aktivitäten des Klubs vorstellen.

Die erste „Herzensangelegenheit“ des Theaterklubs war das Leningrader Neujahrsfest: eine Veranstaltung, die gemeinsam mit den Teilnehmer/-innen des Freiwilligenprogramms der „Humanitären Geste“ vorbereitet wurde. Für einige Stunden tauchten Schauspieler/-innen und Zuschauer/-innen in ihre Jugendzeit ein, wozu die Dekoration des Saals einen nicht unerheblichen Beitrag leistete. Die Kolleg/-innen von der Stiftung „Die Wiedergeburt von Sankt Petersburg“ schmückten mehrere Tannenbäume im Stil der Sowjetzeit. Girlanden aus Papierfähnchen, Spielzeuge aus Watte, vergoldete Nüsse, Glaskugel und ein Väterchen Frost aus dem Jahr 1956 bildeten für die Blockadeüberlebenden ein wahres Portal in die Vergangenheit.

Eröffnet wurde das Fest mit einem feierlichen Karnevalsumzug. Es erklangen Gedichte und Lieder. Die Zuschauer/-innen erfuhren interessante Fakten über Kalender und Neujahrstraditionen. Das deutsch-russische Freiwilligenteam führte das bekannte Lied „In der Weihnachtsbäckerei“ auf und bewirtete alle mit selbstgebackenen Plätzchen. Natürlich kam die Veranstaltung auch nicht ohne Väterchen Frost (bzw. „einen niedrigtemperierten Mann im eleganten Alter“, wie A. Bacharewski es ausdrückte) und Schneeflöckchen, Spiele, Tänze, Geschenke und ein festliches Essen aus.

Nach den Neujahrsferien setzt der Theaterklub seine Aktivitäten fort und bereitet sich schon auf das nächste Großereignis vor: das Gründungsjubiläum von Sankt Petersburg und den 350. Geburtstag seines Gründers Peters I.