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Begegnungen im Dezember: Teil 1

Begegnungen im Dezember: Teil 1

Im Projekt „Humanitäre Geste“ war der Dezember wie immer prall gefüllt mit verschiedenen Veranstaltungen. Deshalb haben wir beschlossen, diesen Artikel in zwei Teilen zu veröffentlichen, um über alles genau berichten zu können.

Anfang und Mitte Dezember haben wir mit zwei Gruppen an Exkursionen im „Monument für die heldenhaften Verteidiger Leningrads“ auf dem Platz des Sieges (einer Filiale des Museums für die Geschichte der Stadt Sankt Petersburg) teilgenommen. Die Exkursionen wurden für die Mitglieder des Jugendklubs der Russlanddeutschen („Jugendblitz“) sowie für Stammbesucher/-innen der Projekte und Veranstaltungen des Deutsch-Russischen Begegnungszentrums organisiert. Die Teilnehmenden konnten nicht nur die Dauerausstellung des Museums besuchen, sondern auch die temporäre Ausstellung „Keine Todesfälle vom Tag der Evakuierung bis heute“, die bis einschließlich 20. Dezember 2022 im Monument zu sehen war.

Neben den Exkursionen fanden auch Vorträge im Online-Format statt. Diese wurden im Rahmen der Veranstaltungen für Alumni des Freiwilligenprogramms der Humanitären Geste organisiert. Beide Veranstaltungen kurierte die ehemalige Freiwillige Maria Gargyants:

Am Donnerstag, den 1. Dezember, trafen sich die Freiwilligen der Humanitären Geste mit Ekaterina Makhotina. Frau Makhotina ist Dozentin an der Universität Bonn und forscht zur historischen Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg. In ihren (z.T. auch praktischen) Seminaren analysiert sie mit Studierenden die symbolische Sprache von Denkmälern sowie Formen des Gedenkens an historische Ereignisse des Zweiten Weltkriegs. Das Treffen fand in Form eines offenen Gesprächs statt, bei dem es darum ging, wie präsent das Thema der Leningrader Blockade heutzutage im historischen Gedächtnis Deutschlands ist. Frau Makhotina berichtete über die ihr bekannten Initiativen von Museen in Berlin und Köln. Ebenso sprach sie über ihre Erfahrungen bei der Lektüre von Blockadetagebüchern. Angesprochen wurden auch schwierige Fragen wie etwa die der gedanklicher Verarbeitung der geschehenen Ereignisse im praktischen Feld der Historiker oder die der analytischen Schwierigkeiten, die vom Übergang eines Narrativs über die Ereignisse der Vergangenheit in den Bereich der Geschichtspolitik hervorgerufen werden.

Am Freitag, den 16. Dezember, fand ein Treffen zwischen Freiwilligen der Humanitären Geste und N.A. Lomagin statt. Gewidmet war es dem Thema des Betriebs der medizinischen Einrichtungen. Die Frage über die Anzahl der in Leningrad an Hunger bzw. diversen Krankheiten verstorbenen Menschen ist strittig. Um sie zu beantworten, ist es nötig, die speziellen Forschungen von Ärzten in der belagerten Stadt zu studieren. In Leningrad waren während der Blockade zwölf Forschungsinstitute und über 100 Krankenhäuser und Polikliniken in Betrieb; zudem waren Dutzende Hospitäler und Bataillone für Genesende eingerichtet worden. N.A. Lomagin beantwortete die Fragen der Teilnehmenden über die Krankheiten, die neben der Dystrophie in Leningrad weit verbreitet waren, ob psychische Befunde gestellt wurden, welche medizinischen Auswirkungen das lange Hungern auf die Blokadniki wie auch ihre Nachkommen hatte und schließlich warum die Sterblichkeitsrate in der belagerten Stadt im Frühjahr 1942 weiterhin stieg, obwohl die Lebensmittelrationen erhöht worden waren.

Maria Gargyants