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Vera Iwanowna Rogowa

Ausstellungeröffnung “Über die Zeit verbunden: Dresden und Leningrad (1941-1945)”

Im modernen Sankt Petersburg gibt es viele Denkmäler, die der Blockadezeit gewidmet sind. Über einige von ihnen haben wir bereits in unserem Blog berichtet.

Heute stellen wir ein Denkmal vor, das sich gleich zu Beginn der Trasse „Straße des Lebens“ befindet: das Denkmal für die Verkehrslotsin. Genauer gesagt, geht es um das junge Mädchen, das als Vorbild für dieses Denkmal diente: Vera Iwanowna Rogowa (geb. Milowidowa).

Im Jahr 2021 drehte das Projektteam der „Humanitären Geste“ einen Kurzfilm mit dem Titel „Frauen in der Blockadezeit“. Ein Teil der Dreharbeiten fand im Museum „Helden des Brückenkopfs von Oranienbaum“ an der Schule Nr. 238 statt. Dort stellte man uns die Videoaufzeichnung eines wahrhaft einzigartigen Interviews mit Vera Iwanowna zur Verfügung, in dem ihre Erinnerungen an die „Straße des Lebens“ und die Arbeit der Verkehrslotsinnen festgehalten sind.

Ursprünglich hatte Vera Iwanowna die Handelsschule abgeschlossen und als Expertin für Waren gearbeitet, doch in den Jahren 1942/43 wurde sie Verkehrslotsin auf der „Straße des Lebens“. Zu dieser Zeit war sie 22 Jahre alt. Vera Iwanowna war immer eine gute Schülerin gewesen und zeichnete sich durch großes Verantwortungsbewusstsein aus. Schon bald wurde sie zur Komsomol-Gruppenleiterin des Bataillons gewählt: Sie teilte die Mädchen zu ihren Posten ein, löste sie ab, holte Parteibücher aus Leningrad, führte Versammlungen durch und gab ein Kampfblatt heraus.

Über die schwierige und verantwortungsvolle Arbeit der Verkehrslotsinnen haben wir bereits berichtet: Die Trasse war ständigen Bombardierungen ausgesetzt und die Lotsinnen mussten stunden- oder sogar tagelang im Frost ausharren – und das in gewöhnlichen Lederstiefeln.
Jede junge Frau war für ihren Kilometerabschnitt der Trasse verantwortlich. Vera Iwanowna überwachte den neunten Abschnitt: Er gehörte zu den schwierigsten, denn an dieser Stelle bildeten sich permanent Risse im Eis. Im Interview erinnerte sie sich: „Die Autos fuhren in ein und derselben Spurrinne, das Eis nutzte sich ab und wurde dünn. Was wir noch machen mussten: Nachdem 50, 60 Autos durchgefahren waren, musste das Band verlegt werden. Der Weg musste also verändert werden, aber das war sehr kompliziert: Da fährt eine ganze Kolonne aus Autos, versuchen Sie mal, das Band an eine andere Stelle zu verlegen. Das war natürlich eine sehr schwere Arbeit. Aber die Fahrer hörten auf uns, sie hörten sehr gut auf uns …“

Im Jahr 1946 wurde die junge Frau aus der Armee entlassen. Nach dem Krieg arbeitete Vera Iwanowna in der Fabrik „Roter Chemiker“. Zuerst war sie Schichtleiterin in der Personalabteilung, später Buchhalterin. Danach arbeitete sie im städtischen Komitee für Kriegsveteranen. Viele Jahre lang leistete Vera Iwanowna patriotische Arbeit: Sie sprach mit Schüler/-innen und Studierenden und unterstützte die Einrichtung des Museums „Straße des Lebens“ an der Schule Nr. 303.

Es wurde mit den vereinten Kräften von Veteranen, Lehrern und Schülern aufgebaut. Unter seinen Ausstellungsgegenständen sind eine Brotkarte, die Laterne einer Verkehrslotsin, und Kriegstrophäen, die bei Sucharbeiten gefunden wurden – aber auch ein wahrhaft einzigartiges Exponat: ein Stückchen eines Zelts, wie es die Fahrer auf der „Straße des Lebens“ aufstellten. Eine separate Ecke ist den Organisatoren und Leitern der „Straße des Lebens“ gewidmet, über welche die Schüler Informationen gesammelt haben.

Die erste Gedenkstätte zu Ehren der Verkehrslotsinnen wurde 1985 an der Trasse geschaffen, ging jedoch 2004 beim Bau der Ringstraße verloren. Im Jahr 2007 entstand an dieser Stelle die moderne Gedenkstätte. Neben der „Verkehrslotsin“ umfasst der Komplex noch zwei weitere Objekte: eine 85-mm-Flugabwehrkanone (1939) und eine Gedenksäule mit der Aufschrift „Straße des Lebens, Kilometer 1“.


Quellen:

Geschichte des Museums „Straße des Lebens“ an der Schule Nr. 303.

Ausgabe der Zeitung „Newa-Spiegel“ des Petersburger Kirow-Bezirks vom April 2014. Artikel über Vera Iwanowna Rogowa: „Die Herrin der Eis-Trasse“.

Bericht über den Gedenkkomplex „Die Verkehrslotsin“ auf der interaktiven Karte des Krasnogwardejski-Bezirks.