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Die Humanitäre Geste in den Augen der Teilnehmenden: Runder Tisch zum 77. Jahrestag der Befreiung Leningrads

Die Humanitäre in den Augen der Teilnehmenden: Runder Tisch zum 77. Jahrestag der Befreiung Leningrads

Schon seit längerer Zeit gilt es als akzeptabel, Diskussionen und Runde Tische – auch unter Beteiligung wichtiger Akteure – per Videokonferenz abzuhalten. So fand am 29. Januar auch unser Gespräch, das dem 77. Jahrestag der Befreiung Leningrads von der Blockade gewidmet war, im Online-Format statt.

Folgende Personen nahmen an unserem Treffen teil: Arbi Abussaidowitsch Abubakarow, stellv. Vorsitzender des Komitees für Außenbeziehungen der Stadtverwaltung Sankt Petersburg; Stefano Weinberger, Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland in Sankt Petersburg; Sven Hannß vom Kultur- und Pressereferat des Generalkonsulats der Bundesrepublik Deutschland in St. Petersburg; Nina Liebig und Cornelia Heine, Projektleiterin und Projektmanagerin der Initiative “Humanitäre Geste” vonseiten der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH; Galina Alexejewna Polomskich, Vorstandsmitglied der gemeinnützigen regionalen Organisation der Waisenhauskinder des belagerten Leningrad, sowie alle, die für die Organisation der Programme verantwortlich sind: Sophie Tempelhagen, Ekaterina Judina, Anna Ussowa und Inna Losjewa. Valentina Anatoljewna Korobowa, Vorsitzende des Klubs der deutschstämmigen Blockadekinder am drb, die Blockadeüberlebenden Alexander Leonidowitsch Jofa, Galina Pawlowna Jarotskaja und Stanislaw Witaljewitsch Mikoni sowie die beiden Freiwilligen Maximilian Kühl und Anna Jaschkowa berichteten über ihre Erfahrungen von der Teilnahme an den Programmen. Unter der einfühlsamen Leitung von drb-Direktorin Arina Nemkowa tauschten sich die Teilnehmenden über ihre Eindrücke aus und diskutierten über den Einfluss des Projekts auf die Verbesserung der Lebensqualität der Blockadeüberlebenden, den Dialog zwischen jungen Menschen aus Deutschland und Russland, aber auch über die generationenübergreifende Freundschaft und die historische Aussöhnung der Völker der beiden Länder. Die Simultanübersetzung ins Deutsche bzw. ins Russische wurde von Wladimir Kornjew und Nikolaj Andrejew, zwei professionellen Dolmetschern, geleistet.

Die Teilnehmenden des Treffens am 29. Januar 2021.

Der Runde Tisch mit begann mit den Grußworten von Stefano Weinberger, Arbi Abussaidowitsch Abubakarow und Nina Liebig. Wir erinnerten uns ebenso an den Beginn unseres Projekts. Beim Schmieden der Pläne für die Zukunft reflektierten wir das Vergangene und vergaßen auch nicht, das Gegenwärtige zu analysieren. Zu Beginn des Treffens zeigte Arina Nemkowa anschaulich, wo das Projekt “Humanitäre Geste” momentan steht. Dazu gehören etwa 600 Teilnehmer/-innen der Präsenzprogramme vor Beginn der Pandemie, ca. 50 Publikationen, drei Ausstellungen (zwei weitere sind in Planung), 13 Filme, etwa 100 Teilnehmer/-innen von ein- bis zweitägigen Online-Modulen im Rahmen von deutsch-russischen Austauschprogrammen, die Zusammenarbeit mit jeweils knapp 20 Partnerorganisationen in Sankt Petersburg und Deutschland sowie 150 Blockadeüberlebenden, die in unsere Veranstaltungen involviert sind. Zudem wurde herausgestellt, dass das einzigartige Freiwilligenprogramm im Online-Format sich sowohl bei den deutschen als auch bei den russischen Teilnehmenden großer Beliebtheit erfreut: Schon zum zweiten Mal erhielten wir ca. 60 Bewerbungen auf insgesamt nur 25 Plätze. Je mehr wir an unseren Projekten arbeiten, desto mehr Perspektiven eröffnen sich uns.

Während des Treffens wurde auch auf die Erklärung der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in der Russischen Föderation zur deutschen humanitären Geste für die noch lebenden Opfer der Leningrad-Blockade (vom 27. Januar 2021) hingewiesen:

“Die Geste besteht aus Leistungen zum einen für die Modernisierung des Krankenhauses für Kriegsveteranen, zum anderen für die Einrichtung eines deutsch-russischen Begegnungszentrums für die russische und deutsche Öffentlichkeit sowie die Blockadeopfer in St. Petersburg. In den ersten zwei Jahren der Umsetzung dieser humanitären Geste hat Deutschland die Rehabilitationsabteilung des Krankenhauses für Kriegsveteranen mit neuesten, dringend benötigten Gerätschaften ausstatten sowie zahlreiche Begegnungsveranstaltungen zwischen Vertretern der Blockadegeneration aus dem früheren Leningrad und jungen Menschen aus Deutschland und Russland durchführen können. Bis heute konnten so bereits 3,1 Mio. Euro für die Geste verwendet werden. Deren weitere Umsetzung wird trotz der Corona-Pandemie entschlossen fortgeführt.

Wir sind zuversichtlich, dass diese freiwillige Aktion die Lebensqualität der noch lebenden Blockadeopfer verbessern wird und der historischen Aussöhnung zwischen den Völkern beider Länder als Grundlage der bilateralen deutsch-russischen Beziehungen in der Zukunft dient.”

Darüber, ob das Projekt “Humanitäre Geste” tatsächlich zur Verbesserung der Lebensqualität der Bewohner/-innen des belagerten Leningrad beiträgt, sprachen wir mit den Blockadeüberlebenden selbst. Alexander Leonidowitsch Jofa strich dabei die außerordentliche Bedeutung des Projekts sowie seine positive Wirkung auf die moralische und physische Gesundheit der Überlebenden der Blockade heraus. Stanislaw Witaljewitsch Mikoni, der lächelnd gemeinsame Fotografien mit den Freiwilligen zeigte, wies darauf hin, dass das Programm nicht nur der Bewahrung der historischen Erinnerung an die Leningrader Blockade diene, sondern auch der Humanisierung der Jugendlichen sowie der Gesellschaft allgemein. Galina Pawlowna Jarotskaja berichtete, dass der Austausch mit jungen Menschen aus Russland und Deutschland sowie ihr aufrichtiges und unerschöpfliches Interesse den Blockadeüberlebenden des Gefühl des Gebrauchtwerdens und der Anerkennung in der Gesellschaft verleihe.

Die Freiwilligen aus Deutschland blicken aus einer anderen Perspektive auf das Programm. Für die Teilnehmenden aus Deutschland, wo in den Schulen und Universitäten selten über die Blockade gesprochen wird, eröffnet sich hier eine Chance, diese gewaltige humanitäre Katastrophe des 20. Jahrhunderts in direkten Gesprächen mit Zeitzeugen kennenzulernen. Die Freiwilligen aus Russland hingegen haben die Möglichkeit, ein bereits bekanntes Ereignis neu zu betrachten und mehr über die Details des Lebens in der belagerten Stadt zu erfahren. Beide Seiten sind überzeugt, dass das Projekt einen bedeutsamen Einfluss auf die deutsch-russischen Beziehungen ausübt.

Wir danken allen Gästen des Online-Treffens für ihre aktive Beteiligung bei der Analyse des Projekts sowie für die Unterstützung und die warmen Worte an die Organisator/-innen. Wir freuen uns, dass wir ein Programm, das unter Teilnehmenden aller Länder und Generationen Anklang findet, gut umsetzen können. Wir versprechen, den Anforderungen auch in Zukunft gerecht zu werden, und sind immer offen für neue Kooperationen und Freundschaften!