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Das Projekt “Humanitäre Geste” im Moskauer Gespräch

Das Projekt “Humanitäre Geste” im Moskauer Gespräch

Anlässlich des 75. Jahrestages des Kriegsendes wurde am 13. Mai 2020 vom Deutsch-Russischen Forum e.V. ein Moskauer Gespräch zum Thema “Schwer heilende Wunden & neue Horizonte. 75 Jahre Ende des Zweiten Weltkrieges” organisiert. Zu den eingeladenen Expert/-innen gehörte auch Arina Nemkowa, die Leiterin des Deutsch-Russischen Begegnungszentrums (drb).

Das Format der Moskauer Gespräche, bei dem deutsche und russische Expert/-innen aktuelle politische, wirtschaftliche und zivilgesellschaftliche Fragen diskutieren, wird seit 2011 vom Deutsch-Russischen Forum e.V. in Kooperation mit der Moskauer Deutschen Zeitung sowie dem Institut für Auslandsbeziehungen e.V. veranstaltet. Aufgrund der gegenwärtigen Corona-Krise fand die Diskussion diesmal online statt.

Eröffnet wurde die Veranstaltung durch Martin Hoffmann, den geschäftsführenden Vorstand des Deutsch-Russischen Forums, sowie Dr. Géza Andreas von Geyr, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in der Russischen Föderation. Von Geyr verwies in seinem Grußwort auf vier Gedanken zur gemeinsamen Zukunftsverantwortung, die er vor allem mit der jüngeren Generation teilen wollte – nämlich die Werte von Erinnerung, Versöhnung, Gemeinsamkeit und des europäischen Integrationsprozesses nach dem Zweiten Weltkrieg. Zum Gedanken der Versöhnung sagte der Botschafter: “Versöhnung verbindet Erinnerung und Zukunft. Versöhnung ist Bereitschaft zu gemeinsamer Zukunft. Deshalb wollen wir uns auch weiterhin um Versöhnung kümmern.” Als Beispiel für die Versöhnungsarbeit nannte von Geyr neben anderen Initiativen das Projekt “Humanitäre Geste”, das in Sankt Petersburg vom Deutsch-Russischen Begegnungszentrum koordiniert wird.

Im Anschluss an die einleitenden Worte des deutschen Botschafters begann die eigentliche Diskussion. Als Expert/-innen waren geladen: Prof. Dr. Irina Scherbakowa (Vorsitzende des Rates des Wissenschafts-, Informations- und Bildungszentrums „Memorial“), Prof. Dr. Pavel Polian (Direktor des Mandelstam-Zentrums, HSE Moskau), Dr. Kristiane Janeke (Historikerin, Ausstellungskuratorin, Berlin/Moskau/Minsk, Tradicia History Service) sowie Arina Nemkowa (Leiterin der Stiftung zur Förderung und Entwicklung deutsch-russischer Beziehungen „Deutsch-Russisches Begegnungszentrum“, St. Petersburg). Moderiert wurde die Veranstaltung von Kerstin Hilt (WDR).

Im Rahmen der Diskussion wurden unter anderem folgende Fragen erörtert: 

  • Wie könnte für die vierte und fünfte Nachkriegsgeneration in Russland und Deutschland eine gemeinsame Erinnerungskultur an den Zweiten Weltkrieg gestaltet werden?
  • Was verbindet dabei junge russische und deutsche Erwachsene?
  • Wie können sie für eine gemeinsame Zukunftsverantwortung sensibilisiert werden? 

Die Diskussionsteilnehmer/-innen wiesen in ihren Beiträgen darauf hin, dass eine aufrichtige und nüchterne Geschichtsdarstellung essentiell sei, um auch in Zukunft junge Menschen dazu zu animieren, sich mit der Geschichte des Zweiten Weltkriegs und seiner Bedeutung für die Gegenwart zu beschäftigen. Arina Nemkowa, die als Leiterin des drb von den Erfahrungen aus dem Projekt “Humanitäre Geste” berichten konnte, stellte dabei heraus, welche besondere Rolle in diesem Zusammenhang die persönliche Begegnung mit Zeitzeugen spielt: “Deutsche Jugendliche haben durch uns die Möglichkeit, in kleineren Runden mit Zeitzeugen zu reden, ihnen direkte Fragen zu stellen und selber zu erfahren, wie es eigentlich war.” Auf der anderen Seite sei dieser Dialog auch für die russischen Zeitzeugen wichtig, denn für sie sei dies “ein Schritt zur Toleranz, zur Akzeptanz […], mit deutschen Jugendlichen offen über ihre Erfahrungen zu reden”, so Nemkowa. Ebenso betonten die Expert/-innen die Notwendigkeit, für die jüngere Generationen auch weiterhin Begegnungsformate zum Thema Zweiter Weltkrieg zu schaffen – insbesondere vor dem Hintergrund, dass es bereits in naher Zukunft keine Zeitzeugen mehr geben wird, die aus erster Hand von ihren Erlebnissen berichten können.

Dieses Moskauer Gespräch wurde von insgesamt etwa 160 Zuschauerinnen und Zuschauern am Bildschirm verfolgt. In voller Länge können Sie / könnt ihr es auf der Website des Deutsch-Russischen Forum e.V. anschauen.

Das Projektteam der Humanitären Geste bedankt sich beim Deutsch-Russischen Forum e.V. für die Einladung zum Gespräch und die Gelegenheit, unser Projekt einem breiten Publikum vorstellen zu dürfen!