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Der Bildhauer Michail Anikuschin

Der Bildhauer Michail Anikuschin

Im Rahmen unseres Kurzprojekts „Erinnerung an die Blockade“ werden wir die Werkstatt des Bildhauers Michail Anikuschin besuchen. Im heutigen Artikel berichten wir genauer über sein Leben.

Michail Konstantinowitsch Anikuschin wurde 1917 in Moskau geboren. Im Jahr 1935 zog der junge Bildhauer nach Leningrad, um sich auf die Aufnahme am Institut für Malerei, Bildhauerei und Architektur der Allrussischen Akademie der Künste vorzubereiten, wo er 1937 immatrikuliert wurde. Die Dozenten wurden sogleich auf die ungewöhnlichen Fähigkeiten und das Talent Anikuschins aufmerksam. Allerdings musste er sein Studium unterbrechen, als der Krieg ausbrach.

In den ersten Kriegsmonaten nahm Anikuschin am Bau von Verteidigungsanlagen teil. Im Herbst 1941 trat er der Volkswehr bei und wurde später in die Reihen der Roten Armee aufgenommen. Bei Gelegenheit machte er auch hier Skizzen der Volkswehrkämpfer, was ihm später bei der Arbeit an einem der wichtigsten Blockadedenkmäler im modernen Petersburg half – dem „Monument für die heldenhaften Verteidiger Leningrads“ auf dem Platz des Sieges.

Im Jahr 1945 kehrte Anikuschin nach Leningrad zurück und schloss sein Studium an der Akademie der Künste ab. Als Diplomarbeit fertigte er einen Entwurf der Statue „Der siegreiche Kämpfer“ – die Abbildung eines jungen Frontsoldaten – an. Nach dem Krieg unterrichtete Anikuschin an seiner „heimatlichen“ Akademie.

Im Jahr 1950 gewann Anikuschin den Wettbewerb um die Anfertigung eines Denkmals für A.S. Puschkin auf dem Platz des Sieges, an dem die angesehensten Bildhauer jener Zeit teilgenommen hatten. In sieben Jahren Arbeit wurde ein Denkmal geschaffen, das seinem Schöpfer nationalen Ruhm einbrachte. Zwei Jahre nach der Schaffung des Puschkindenkmals begann Anikuschin mit der Arbeit am A.-P.-Tschechow-Denkmal in Moskau. Diesen beiden Schriftstellern widmete sich Anikuschin in der Folgezeit noch mehr als einmal, sie nahmen eine zentrale Stelle in seinem künstlerischen Schaffen ein – zusammen mit den Abbildungen von anderen wichtigen Vertretern aus Kultur, Kunst und Wissenschaft.

Eine bedeutende Etappe in Anikuschins Werk war die Arbeit am „Monument für die heldenhaften Verteidiger Leningrads“. Im Jahr 1969 wurde ein Wettbewerb um die Schaffung des Monuments ausgetragen; bis 1973 wurde der Grundstein für die Komposition gelegt. Zu dem Ensemble gehörten neun Skulpturengruppen. Für die Arbeit an den Figuren verwendete Anikuschin die Skizzen, die er während des Krieges gemacht hatte. Jede einzelne Figur des finalen Projekts hatte der Bildhauer gesehen oder gekannt. Entstanden war eine sehr persönliche Arbeit und kein verallgemeinertes Denkmal mit namenlosen Figuren.
Jedoch wurden nicht alle Ideen des Künstlers umgesetzt. In der Komposition sollte es noch eine weitere Figur geben: ein kleines Kind als Symbol für die Zukunft. Allerdings fand diese Figur keinen Eingang in die endgültige Fassung. Mehr zur Entstehung des Denkmals lest ihr in diesem Artikel.

Heute befindet sich in der Werkstatt des Bildhauers auf der Petrograder Seite ein Museum, wo man nicht nur persönliche Gegenstände betrachten, sondern auch die kreative Atmosphäre spüren kann, in der diese großen Werke geschaffen wurden. Unser Projekt findet bereits Anfang April statt – seid dabei! Näheres findet ihr hier.


Quellen:

Artikel über Anikuschin auf dem Medienportal des Staatlichen Museums für urbane Skulptur

Film über Anikuschin auf dem Medienportal des Staatlichen Museums für urbane Skulptur

Artikel über Anikuschin auf der Website der Bibliotheken des Petrogradski-Bezirks